Ibu Rahayu's Ansprache auf dem Treffen von Subud-Erziehern, Tlaxcala, Mexiko

28. Juni 1999

(Genehmigte Übersetzung)

Deutsche Übersetzung: Rosita Wolf- Doettinchem

Brüder und Schwestern, ich möchte euch danken, daß ihr daran gedacht habt, mich zu dieser Arbeitsgruppe über Erziehung einzuladen, die sich während dieses Treffens hier zusammenfindet.

Wenn wir uns an die Ansprachen Bapaks erinnern, in denen er uns sagt, daß wir der Erziehung besondere Aufmerksamkeit widmen sollen, dann heißt das, daß das etwas ist, worum wir uns in unserem Subudleben kümmern müssen. Wie ihr wißt, haben wir in Subud außer der Organisation und dem Spirituellen (kejiwaan) noch sogenannte "Wings", wie SICA, Susila Dharma, Jugend usw. Diese können in der Tat nicht von Subud getrennt werden. Wir brauchen sie alle, weil wir gerade durch sie eine Verbindung zu der Welt außerhalb von Subud herstellen können.

Denn wenn wir über das kejiwaan sprechen, dann kann das niemand außerhalb von Subud verstehen. Nur wenn wir uns in sozialen Aktivitäten engagieren, werden die Leute Subud verstehen. Auch das Gebiet von SICA, das die Ergebnisse der Erfahrungen von Subud-Mitgliedern widerspiegelt, ist geeignet für Menschen, die nicht in Subud sind. Genauso können die Aktivitäten der Subud-Jugendorganisation junge Leute innerhalb und außerhalb von Subud einander näher bringen.

Wir sind nun hier, um über das Gebiet der Erziehung zu diskutieren. Laßt uns das in einer Atmosphäre von gegenseitigem Verständnis tun, weil wir ja alle noch auf der Suche nach dem sind, was Bapak wirklich unter Erziehung versteht. Was die Erziehung selbst angeht, da gibt es Gesichtspunkte und Erfordernisse, die sowohl Subud-Mitglieder als auch Leute außerhalb von Subud betreffen. Wenn du in Subud bist und dein inneres Talent wirklich das eines Lehrers ist, und du hast mit Erziehung zu tun, dann wirst du nicht nur aus dem heraus handeln, was du formal gelernt hast, sondern du wirst den Kindern, die du erziehst, "Leben" geben.

Praktisch gesehen ist ein Lehrer wie ein Stellvertreter oder Beauftragter der Eltern eines Kindes, bei denen ja das Erziehungsrecht liegt. Vom Kind aus gesehen hast du, wenn du Subudmitglied bist, schon etwas Lebendiges in dir und kannst darum den Kindern geben, was sie brauchen, auch wenn sie noch nicht geöffnet sind. Durch dein Tun und dein Beispiel hast du Einfluss auf die Atmosphäre deines Arbeitsplatzes.

Wenn ihr also eine Subud-Schule gründet, dann heißt das nicht, daß alle eure Schüler in Subud sein müssen. Es muß eine normale Schule sein, die sich nach den Lehrplänen des Ortes richtet, in dem sie liegt. Wenn man sie als "Subud"-Schule bezeichnet, dann ist es fast sicher, daß die Leute ihre Kinder dort nicht hinschicken werden, weil sie glauben, daß es sich um eine spirituelle Schule handelt, und das weckt ihr Misstrauen.

Schule und Erziehung sind offen und für alle da. Wie können wir dann Schulen haben, die wirklich Subud-Schulen sind? Solch eine Schule müßte von einer Stiftung organisiert werden oder einer Stiftung gehören, sollte aber nicht "Subud"-Schule genannt werden. Weil ihr die Schule kontrolliert, habt ihr das Recht, die Lehrer auszuwählen. Und wenn ihr wollt, daß es eine gute Schule sein soll, dann werdet ihr auch wirklich professionelle Lehrer aussuchen wollen.

Und wenn ihr in einer Subud-Schule arbeitet und das Unterrichten euer Talent ist, dann wird in allem, was ihr tut, Leben sein. Euer inneres Fühlen wird lebendig sein, und ihr werdet nicht wie eine Maschine arbeiten. Eure Lebendigkeit wird sich eurem Gegenüber, das ja selbst lebendig ist, mitteilen. Und ihr werdet die Talente der Schüler, mit denen ihr zu tun habt, erkennen. Auf die Weise können Lehrer denen, die sie unterrichten, nahe kommen.

Es gibt natürlich gewisse Stadien in der Entwicklung von Kindern, wo sie sehr ungeduldig sind und überhaupt nicht das annehmen wollen, was sie wirklich brauchen. Obwohl sie große Ziele und Ideale haben, wird ihr Leben durcheinander geraten, wenn ihnen das Fundament fehlt und sie nicht das, was sie brauchen, in sich aufgenommen haben.

Viele Kinder, die noch nicht einmal die Oberschule erreicht haben, fühlen sich schon gelangweilt, so daß sie die Schule verlassen. Aber später, wenn sie merken, was ihnen fehlt und was sie versäumt haben, dann wird ihnen klar, daß sie keine Gelegenheit mehr haben, das notwendige Fundament zu bekommen. Dies ist eine Herausforderung für Lehrer, die Subud-Mitglieder sind! - Wie kann man diese Kinder motivieren und ermutigen, damit sie sich nicht langweilen?

Schulen zu gründen gehörte immer zu den Hoffnungen und Idealen Bapaks für Subud, als eine Möglichkeit, der Menschheit zu dienen. Auf diese Weise kann Subud andere erziehen und ihnen helfen. Durch Schulen können wir Leute dazu erziehen, Menschen von edlem Charakter zu werden, - ein Akt der Liebe und Fürsorge, für den wir keine Belohnung erwarten sollten. Das ist auch einer der Gründe, warum Bapak die Notwendigkeit von Unternehmen in Subud betont hat, damit sie nämlich soziale Einrichtungen wie Schulen finanzieren, die diese Arbeit tun. Und Bapak fühlte auch, daß es wichtig ist, wo immer wir etwas derartiges unternehmen, dabei zu bleiben und nicht aus Geldmangel auf halbem Wege aufzugeben; denn Erziehung hat etwas mit dem Schicksal oder mit der Zukunft eines Menschen zu tun.

Dies ist meine Erklärung, die euch an Dinge, die Bapak uns früher gesagt, erinnern soll. Die Durchführung überlasse ich euch, besonders denen, die Experten und Fachleute sind. Ich hoffe, daß eure Arbeit ein Beispiel für die, die nicht in Subud sind, sein wird.

Anmerkung: Wegen eines technischen Fehlers wurde diese Ansprache nicht aufgenommen. Diese Übersetzung wurde von Sharif Horthy am folgenden Tag erstellt. Er hat die wörtlichen Notizen von Ibu Rahayu's Worten benutzt, die Ibu Hardiyati Syafrudin gemacht hat, und wörtliche Aufzeichnungen von Sharif's Übersetzung durch Lucia Cargill.